
Geschichten für die Chronik gesucht
05/08/2026
POS „Werner Seelenbinder“ Rastow
24/09/2026Aus einer Unfallquelle wurde ein modernes Schwimmbecken
Rastow. Die Gemeinde Rastow begeht im Jahre 2027 ihr 800-jähriges Jubiläum. Gesucht werden Erinnerungen und Materialien (Fotos und Belege) die das Zeitgeschehen betrieblich und /oder privat widerspiegeln.
Bereits 1947 machten sich die Einwohner daran, die westlich des Lehmbergs gelegene und bereits teilweise abgerissene und unbrauchbar gewordene Kuhle, wieder auszubauen. Durch freiwillige Arbeitseinsätze konnte eine als Holzgerüst entstandene Badeanstalt errichtet werden. Eine kleine Quelle lieferte seinerzeit etwa 60 Liter Wasser pro Sekunde. Im Laufe der Jahre verfaulte allerdings das Holz und die Badestelle wurde zur Gefahr. Unfälle häuften sich und die Badeanstalt wurde 1959 geschlossen. Man suchte für die sich schülerzahlmäßig ständig erweiternde Rastower Polytechnische Oberschule eine Möglichkeit für einen geregelten Schwimmunterricht. Denn die nächstgelegene Badeanstalt befand sich im 13 km entfernten Neustadt Glewe. Dankenswerterweise griffen Verantwortliche auf Kreis- und Bezirksebene den Vorschlag der Rastower Einwohner auf und bewilligten nach eingehender Prüfung 40.000 DM für den Neubau der Badeanstalt. Im Sommer 1961 begannen die Arbeiten mit der Schlammentsorgung. Bereits im Herbst waren die Rohbauarbeiten durch die Baubrigade der LPG „Vorwärts“ Rastow geschafft. Als Anfang 1962 kapazitive Schwierigkeiten absehbar waren, beschlossen die Kollegen in einer Brigadeversammlung, dass unter Ausnutzung des Sonntags und des darauffolgenden Tages der Befreiung die anstehenden Putzarbeiten in den Schwimmbecken durchgeführt werden sollten. Am 24. Juni 1962, dem Tag der Jugend und Sportler, wurde die damals moderne Rastower Badeanstalt eingeweiht. Die Übergabe erfolgte durch den Stellvertretenden Vorsitzenden des Rates des Kreises Haubner an Heinz Kettner, Vorsitzender des Rates der Gemeinde Rastow, als Jugendobjekt. In den Sommerferien wurde die Badeanstalt bereits rege in den Ferienspielen der Rastower Oberschule genutzt. Drei Wochen erholten sich 75 Kinder bei Spiel und Sport, die den Kochfrauen für das schmackhafte Essen dankten. Alle Pioniere wollten das Schwimmen erlernen und 45 von ihnen hatten bereits das Sportabzeichen errungen. An einem Vormittag war das Sammeln von Brennnesseln für die Aufzucht der Enten und Gänse der LPG vorgesehen – sozusagen für einen knusprigen Braten.

Das obige Bild (Foto: Karl-Heinz Höfs, Repro: Wolfgang Utecht) zeigt die Einweihung der Badeanstalt am 24. Juni 1962 mit Blickrichtung zur Eisenbahnlinie Ludwigslust – Schwerin.
In den Folgejahren drohte die Wasserquelle der Badeanstalt zu versiegen, der Einsatz von Pumpen wurde erforderlich, erst eine und dann eine zweite. Schwierigkeiten bereitete die personelle Absicherung mit einem Schwimm-Meister der zeitweilig aus Schwerin stammte. Der Fahrplan der Reichsbahn und seine vertraglichen Aufsichtszeiten standen teilweise im Widerspruch. In der Badesaison (Anfang Mai bis Ende September) wurden jährlich jeweils bis zu 10.000 Besucher gezählt. Es galt also durchschnittlich je Saisontag ca. 50 bis 150 Badegäste zu betreuen bzw. zu beobachten.
Über die Jahre wurde die Unterhaltung der Badeanstalt immer teurer, der Betonputz der Becken wurde zudem brüchig so, dass das warme Oberflächenwasser aus den Schwimmbecken sich durch den Erdwall einen unkontrollierten Abfluss suchte. Das Wasser in den Becken blieb durch das mittels der Pumpen ständig nachfließende Wasser recht kühl. Zudem waren wiederholt Vandalismusschäden zu reparieren. Parallel waren bis 1982 durch den Bau der Autobahn Hamburg – Berlin (heutige A24) in Kraak, Dreenkrögen und Neu Zachun Baggerseen entstanden, die mit ihrem naturnahen Flair die Badegäste anlockten. Die Zahl der Badegäste ging in Rastow drastisch zurück. Mit dem Ende der DDR ergaben sich neue und strengere Rahmenbedingungen für den Betrieb einer Badeanstalt. Für den Schwimmunterricht wurden die Schüler per Bus oder Bahn nach Schwerin und zurück transportiert. Da die Gemeinde Rastow keine Möglichkeit für eine wirtschaftliche Sanierung und Betrieb / Unterhaltung der Badeanstalt sah, wurde das Grundstück in den 1990er Jahren verkauft.
In Abstimmung mit der Gemeinde Rastow werden Informationen und Materialien / Fotos / Geschichten erbeten an: Wolfgang Utecht, Pulverhof 9, 19077 Rastow, Handy 0172 / 710 41 21 und E-Mail: Chronik_Rastow@t-online.de

